Arbeiters Wiegenlied

 

Vater soll ein Liedchen singen,

gelt, mein Bübchen, blondes Kind!

Horch doch, fern Maschinen klingen,

schwarze Mauern streift der Wind,

surrt sein Lied, das alte neue

aus der Väter grauer Zeit.

Ach aus deiner Augen Bläue

trink ich Sonnensehligkeit.

Heia, susa, susa, heia,

schlaf mein Schätzchen, Vater wacht,

Heia, susa, susa, heia,

laß dem Mütterchen die Nacht!

 

Mütterchen hat viel gelitten

In der bitterbösen Zeit,

hat dein Vater schwer gestritten,

ist sein Arm doch stets bereit,

dich zu tragen, dich zu wiegen,

Vater singt dich nun zur Ruh,

sollst auf goldnen Wagen fliegen

goldnen Funkensternen zu.

Heia, susa, susa, heia,

schlaf mein Schätzchen, Vater wacht,

Heia, susa, susa, heia,

laß dem Mütterchen die Nacht!

 

Vater singt vom Gold, doch Eisen

Dröhnt sein schweres Erdenlied;

Einst erklingen dir die Weisen,

wenn dein Vater heimwärts zieht.

Horch, wie fern die Keten klirren!

Schlaf, bevor die Faust dich packt,

ehe schwarze Vögel schwirren!

Hör, der Hämmer dunklen Takt:

Heia, susa, susa, heia,

Bübchen, schläft dein Vater einst,

Weih auch ihm ein Susa heia,

wenn du stille Tränen weinst!