Der Dichter

 

Ich bin kein Weltprophet, der breite Wege weist - ,

Ein rufend Suchender in dunklen Tiefen

Bin ich ein Mensch, den sein Geschick zerreißt,

Der Körnlein sammelt, die im Spalte schliefen.

Ein Schürfer bin ich in der Seelentiefstem Schacht,

Der oft mit blutzerriss´nen wunden Händen

Erschrickt vor seiner eig´nen Seele Wetternacht

Und angstvoll klopft an ihren Kellerwänden.

Dann tropft ein Lichtlein wohl durch schmale Spalten

Im Augenblick der höchsten Seelennot;

Ich fasse, berge ihn, um zu gestalten,

Umbraust vom wilden Erdenlied - nach Brot.

 

Auch mich hat einer Mutter Leib geboren

In Schmerz und Freude, die nach Leben schrie;

Ein Vater zeugte mich, der sich verloren

Im Werkgebraus der Erdensynfonie.

 

Und doch ist meine Seele Weltgesang,

Denn ich bin anders, als die vielen andern;

Ihr seht mich einsam meine Wege wandern

In wildem Schmerz, Im Jubelüberschwang.

Bin morgen längst nicht mehr der mensch von heute,

Und heute nicht das, was ich gestern war;

Ich bin der Stunde ewig neue Beute,

Heut´ Wurm und morgen stolzbeschwingter Aar.

Mich reißen Berge, Wälder, weiße Horizonte,

Mich schwingen Silberquellen, Strom und Meer,

Ich trinke Sinn aus Taten um mich her,

Die längst ein ander nicht mehr fassen konnte.

 

So nehmt mich hin. Ich bettle nicht um Gnade;

Traf meine Harfe eure tiefste Brust.

Sang euren Schmerz sie, eure höchste Lust,

Dann forschet nicht nach meinem dunklen Pfade,

Zerknittert nicht der Schönheit zarten Schleier,

Den ich aus Silberlicht und Blüten wob;

Ein Gottesdienst sei meine Seelenfeier,

Die mich und euch vom Staub der Erde hob.