Martinwerk

 

Hühnengestalten – in Schweiß gebadet –

So stehen sie vor der zuckenden Glut;

hornhäutig die Hand, die den Wagen entladet,

darauf hoch das Erz und die Massel ruht.

Und Brocken auf Brocken in wirbelndem Bogen

Empfängt unter Zischen das glühende Meer,

bis alles, was knirschend die Waage gewogen,

in den Schlund versenkt das dampfende Heer.

 

Verschnauft euch, Gesellen! Die Türen geschlossen!

Nun, Stocher, den Gasdruck auf Schmelzen gestellt!

Du kennst ja kein Müdsein – stehst selbst wie gegossen,

ein Denkmal der Kunst in der eisernen Welt.

Laß zündeln, dann lodern die schaffenden Flammen;

Frag nicht nach den quellenden Wolken von Gas –

Wir tragen das Werkzeug zum Gusse zusammen,

und du – schau prüfend durchs schirmende Glas!

 

Die Stunden verrinnen – sie nehmen die Proben –

Gegossen – zerschlagen – die Masse ist gar –

Hallo – nun die Pfanne zur Grube gehoben!

Den Abstrich durchstößt die glühende Schar.

Was – brennen die Kleider? Des Schurzfell in Flammen?

Ein Schlag mit dem Handsack – dann weiter die Hast  .  .  .

 

Nehmt einmal die Kraft und den Atem zusammen.

Grünflammend im Kran hängt die glühende Last,

es regnen die Funken, ein Spritzen und Sprühen!

Und plätschernd ergießt in die Form sich der Strahl,

ob ringsum die Wangen auch brennen und glühen:

der Wille der Arbeit ist härter als Stahl.

 

Entkleidet der Form steht die Arbeit der Flamme.

Es zittert die Luft an dem grausigen Ort,

zusammengegossen zur mächtigen Bramme,

leuchtender Genius, schaffe sie fort“

 

(Entstanden im historischen Martinwerk Krupp, Essen 1910)