Mittag am Fabriktor

 

Bleich steht er da - doch stolz und hochgereckt,

die braungesetzte Mützeschräg aufs Ohr gedeckt,

den Blusenärmel bis zum Muskel aufgestreift,

indes sein Blick wie suchend in die Ferne schweift.

Dort drüben wogt´s, das Meer von Rauch und Qualm.

Er saugt die Straßenluft wie Blütenrausch der Alm.

Ein Sommertag.

Noch tropft von seiner Stirn der Schweiß,

und seinen Kittel schmückt der Arbeit Edelweiß.

Wer bringt ihm heute wohl die Speise her?

Sein Weib? Sein Kind? Er starrt ins Menschenmeer . . .

Dort schiebt sich´s eilig wie ein Kätzchen durch den Schwarm,

sein Mädel ist´s - ein Täschchen hängt am Arm.

Die schwarzen Augensterne irr´n voraus

vom Haldenhang bis hin zum Elternhaus -

jetzt steht´s beim Vater, schaut beglückt ihm an -

um beide schlingt sich süß ein Zauberbann.

Und nieder beugt er sich, trotz Hitze, Staub und Ruß,

ein Händedruck und dann - ein herz´ger Kuß.